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Forschungsprofil

In den Forschungen der zentralen wissenschaftlichen Einrichtung GeStiK (Gender Studies in Köln) der Universität zu Köln spielt ‚Geschlecht‘ in unterschiedlichen Facetten eine Rolle: als Prozess- und Strukturkategorie und/oder materiell-diskursive Praxis. ‚Geschlecht‘ verweist damit auf sehr verschiedene Dimensionen und Bedeutungsgehalte, etwa auf symbolische Geschlechterordnungen, institutionalisierte Geschlechterverhältnisse, Arbeitsteilungen und Subjektivierungsweisen, Identitäts-, Sexualitäts- oder Körperkonstruktionen, also insgesamt auf Prozesse der Strukturierung, Differenzierung und Hierarchisierung in der Untrennbarkeit von Materialität und Bedeutung. Als einer kritischen Denk- und Forschungsweise, die naturalisierte Identitäts- und damit verbundene Hierarchisierungsverhältnisse problematisiert, kommt der queertheoretischen Ausrichtung des Forschungsprofils von GeStiK eine besondere Bedeutung zu. Die queertheoretische Ausrichtung zielt auf die Dezentrierung und Problematisierung dichotomer Gegenüberstellungen, die Hierarchisierungen, Normativierungen und Ausschlüsse erzeugen, sowie auf explorative Forschungs- und Methodendesigns zur Anerkennung von vielfältigen, beweglichen Differenzen.

In der Forschung von GeStiK werden derzeit vor allem zwei Forschungsfelder bearbeitet: 

 

  1. Geschlechterforschung, soziale Mobilität und soziale Ungleichheiten
    Der Forschungsschwerpunkt Geschlechterforschung, soziale Mobilität und soziale Ungleichheiten: Intersektionen von gender, class, ,race, migration und sexuality zielt auf die Analyse der Verschränkungen unterschiedlicher Ungleichheitsdimensionen mit ‚Geschlecht‘ und auf das je spezifische Relevant- oder auch Irrelevant-werden von ‚Geschlecht’ in sozialen Praktiken und biographischen Dynamiken.
  2. Geschlecht und Materialität

    Vor dem Hintergrund von Anthropozän und Klimawandel, Digitalisierung und dem Aufkommen von Künstlicher Intelligenz lassen sich gegenwärtig in den Wissenschaften transdisziplinäre Problemstellungen konstatieren, die quer zu der modernen Aufteilung der wissenschaftlichen Disziplinen in Natur- und Gesellschaftsbereiche verlaufen. Die aktuellen ökologischen Herausforderungen und technologischen Transformationen lassen sich mit den disziplinär verfestigten Mensch/Technik und Mensch/Umwelt-Dualismen kaum noch hinreichend erfassen. Unser Forschungsschwerpunkt versteht sich als Teil dieser zeitgenössischen transdisziplinären Bestrebungen einer Neuverhandlung des „Sozialen“ angesichts der Komplexität menschlicher und nichtmenschlicher Verstrickungen. Insbesondere mit der digitalen Durchdringung von diversen Lebensbereichen, Infrastrukturen und Versorgungssystemen sind weitreichende gesellschaftliche Transformationsprozesse verbunden, die zunehmend die Dimension der Vergeschlechtlichung von Sorgeverhältnissen betreffen. Im Forschungsschwerpunkt ‚Materialität und Geschlecht’ werden die je spezifischen Muster des Relevant-werdens von Geschlecht als materiell-diskursive Praktiken und Prozesse der Herstellung von Welt gefasst, an denen auch nichtmenschliche Akteur*innen aktiv teilhaben. Damit steht der Forschungsschwerpunkt einerseits in der Tradition einer queerfeministischen Kritik und Dekonstruktion naturalisierter, essentialistischer Vorstellungen von Sexualität, Geschlecht, Materie und Körpern. Zugleich greifen wir hier Ansätze eines neuen queerfeministischen Materialismus (new materialism) auf, welche die performative Dimension von Materialisierungen des Geschlechts um eine posthumanistische Perspektive erweitern.

    Aktuell wird im Forschungsschwerpunkt der Zusammenhang von Technik und Sorgeverhältnissen in verschiedenen Projekten und hochschulübergreifenden Forschungszusammenhängen bearbeitet und mehrere Vorhaben sind in der Planung.